dtv, München 2026
ISBN
9783423285216 Gebunden, 288 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Anke Caroline Burger. Nach Jahren im Ausland findet sich die Ich-Erzählerin unter genau den Menschen wieder, vor denen sie damals aus New York geflohen ist: ihrer ehemaligen Clique um das einflussreiche Paar Nicole und Eugene. Am Tag der Bestattung einer Freundin haben die beiden zu einem ihrer künstlerischen Dinner geladen. Während sie die Anwesenden beobachtet und ihren Unterhaltungen lauscht, wird ihr klar, dass diese für alles stehen, was sie verachtet. Am meisten aber verachtet sie sich selbst dafür, dass sie sich wieder in das Loft an der Bowery hat zurücklocken lassen, wo doch der Abend nicht einmal dem Gedenken an die Freundin, sondern einer jungen Schauspielerin gewidmet ist, die sich inzwischen immer weiter verspätet. Von ihrem Platz auf dem weißen Leinensofa aus beginnt sie, ihre Gastgeber und die nichtsahnend Naturwein nippenden Gäste stumm, systematisch und gnadenlos zu sezieren: jede aufgesetzte Geste, jede mechanisch nachgebetete Meinung, jede pseudo-intellektuelle Pose.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.07.2026
Bitterböse Satire muss man können und die Journalistin Zoe beherrscht sie, wie sie in ihrem Debüt zeigt, meint Rezensentin Anna-Louisa Schönfeld. Wir folgen einer namenlosen Ich-Erzählerin in ein New Yorker Loft, wo sich die High Society anlässlich einer Trauerfeier für eine verstorbene enge Freundin der Erzählerin zum Dinner trifft. Kein Gast, nicht mal die Verstorbene, ist vor dem bösartigen Spott sicher, mit dem die Erzählerin ihr Umfeld bedenkt, amüsiert sich die Kritikerin. Warum das so lesenswert ist? Weil Dubno die überhebliche Szene so klug und "pointiert" zerlegt, dass sie den im Roman selbst gesetzten Verweis zu Thomas Bernhards Roman "Holzfällen" nicht scheuen braucht, findet Schönfeld. Ein paar Abschweifungen und Längen verzeiht sie diesem von Anke Caroline Burger nuancenreich übersetzten Roman gern.
Rezensent Tobias Lehmkuhl findet Zoe Dubnos Bernhard-Remake überflüssig. Die Autorin gelangt über eine zeitgemäße Kopie der Vorlage "Holzfällen" nicht hinaus, meint er. Auch erreicht sie nicht Bernhards Schärfe im Ton, so Lehmkuhl. Bernhards skandalträchtige Satire auf die Wiener Kulturwelt erscheint Lehmkuhl einzigartig und unerreicht, auch wenn Dubnos Nachbildung mit einer namenlosen Erzählerin, die sich auf einer Gesellschaft über den New Yorker Kunstbetrieb echauffiert für ihn durchaus Spaß bereithält und treffsicher austeilt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 08.05.2026
Über Zoe Dubnos Roman, der sich an Thomas Bernhards "Holzfällen" orientiert, kann Rezensent Martin Oehlen nur müde lächeln. Mehr Eigenständigkeit wäre schön gewesen, meint er. Allerdings kann er auch nicht verleugnen, dass der Text mit seinen Schimpftiraden gegen die heutige New Yorker Kunstschickeria unterhaltsam ist und als Hommage an sein Vorbild funktioniert. Wie bei Bernhard geht es heftig zur Sache, wird gegen Künstler, Mäzene und die Eitelkeit des Betriebs ausgeteilt und zwar in Bernhardschem Stil, also in langen, absatzlosen Sätzen, wie es in der Rezension heißt. Die ein oder andere gute Beobachtung und Beschreibung bietet das Buch auch, so der Rezensent versöhnlich.
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