Herausgegeben von Wolfgang Hagen. Vor etwas mehr als zehn Jahren ist Niklas Luhmann, einer der wichtigsten und wirkungsmächtigsten Denker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, verstorben. Obwohl sein umfangreiches theoretisches Werk als komplex und schwer verständlich gilt, ist es eines der wohl erfolgreichsten und populärsten Theorieangebote nicht nur im deutschen Sprachraum, sondern auch international. In seinen Gesprächen und Interviews erweist sich Luhmann als ein faszinierender Gesprächspartner, dessen Weitsicht zu politischen Problemstellungen und Fragen der Kunst und Massenmedien immer wieder verblüfft. Nach "Warum haben Sie keinen Fernseher, Herr Luhmann?" wird in "Was tun, Herr Luhmann?" eine Auswahl der mit ihm geführten Interviews aus den neunziger Jahren abgedruckt, in denen es schwerpunktmäßig um Fragen der Politik und Kunst geht.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.08.2010
Das Alter dieser Interviews, die Niklas Luhmann zwischen 1991 und 1996 verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften gegeben hat, tut nichts zur Sache, meint Jens-Christian Rabe. Schließlich sei Luhmann aktueller denn je. Daran, dass sich Interviews besonders gut eignen, Philosophen (und Soziologen) zu verstehen, glaubt Rabe ohnehin, zwingt die Form die Meisterdenker seiner Meinung doch, möglichst unverblümt zur Sache zu kommen. Luhmanns eher kühlen Blick weiß Rabe dabei sehr zu goutieren ("Menschenbilder, sowas Grausliches"). Gut eingeführt in Luhmanns Denken fühlt sich der Rezensent also. Und mehr noch: Luhmanns oft mit entlegenen Beispielen aufwartenden Stellungnahmen stellen ihm Werkzeuge für die eigene Wahrnehmung zur Verfügung. Dass der Band ideengeschichtlich relevant ist, liegt laut Rabe an der gegenwärtigen Gemengelage aus Kapitalismusverdrossenheit und ideologischer Desillusionierung - bester Nährboden für eine Luhmann-Renaissance.
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