Simón wächst, weitgehend sich selbst überlassen, in einer Bar am Stadtrand von Barcelona auf. Nicht unbedingt der beste Ort für einen kleinen Jungen, doch sonntags verwandelt sich Simóns Leben in pure Magie. Denn jeden Sonntag bringt ihm sein Cousin einen historischen Abenteuerroman vom Bücherflohmarkt des Viertels mit. Die Helden dieser Romane vergisst Simón nie wieder. Nicht, als sein Cousin spurlos verschwindet, und auch nicht, als Simón die Liebe kennenlernt und sich als Koch in Luxusküchen verdingt. Doch weder die strahlende Stadt ist vor der Entzauberung gefeit, noch Simóns eigenes Leben. Miqui Otero hat mit diesem zärtlichen, mehrere Jahrzehnte umspannenden Familienroman nicht nur seinem Helden Simón und der sinnstiftenden Kraft der Literatur, sondern auch seiner Heimatstadt Barcelona ein Denkmal gesetzt.
Rezensent Cornelius Wüllenkemper wird nicht ganz glücklich mit diesem Roman von Miqui Otero, der vom Verlag als "Chronist Barcelonas" präsentiert wird. Vielmehr erscheint ihm der Roman wie ein recht gefühlsgeladenes "Märchen": Er folgt dem titelgebenden kleinen Simon, der im Barcelona der vergangenen zwanzig Jahre zwischen gesellschaftlichem und wirtschaftlichem Niedergang aufwächst, bald aber von seinem Cousin Rico mit Büchern eingedeckt wird, mit dem Auftrag in den Büchern zu leben. Rico verschwindet aufgrund von Drogengeschäften spurlos, Simon wird zunächst Koch, bleibt aber Außenseiter und erlebt mit Freundin und Kollegen allerhand gesellschaftliche Probleme, bis er schließlich als Billard-Meister um die Welt jettet. Der Mix aus arg dramatisierten Szenen, "raunenden Lebensweisheiten" und "hochfahrenden Gefühlen" geht für den Rezensenten dann aber doch an der Realität vorbei. Einen glaubwürdigen, zusammenhängenden Plot kann er leider ebenfalls nicht erkennen.
Ziemlich gut gefällt Rezensent Ruthard Stäblein dieser Schelmenroman des spanischen Autors Miqui Otero, den Stäblein als eine Schlüsselfigur der Kulturszene von Barcelona bezeichnet. Der titelgebende Held Simón hat als Kind zu viele Abenteuerromane des 19. Jahrhunderts gelesen und erweist sich somit herrlich ungeeignet für ein Leben in Barcelona des 21. Jahrhunderts. Den Abenteuern dieses poetischen Phantasten folgt Stäblein gern, zumal Otero mit "Witz und Aberwitz" glänzt, kunstvoll die Register wechselt und seine Figuren so schillern lässt wie seine gewagten Bilder.
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