C.H. Beck Verlag, München 2026
ISBN
9783406853098 Gebunden, 533 Seiten, 34,00
EUR
Klappentext
Er gründete den Spiegel und war der wohl einflussreichste deutsche Publizist des 20. Jahrhunderts: Rudolf Augstein (1923-2002) kämpfte gegen den Muff der Adenauer-Jahre, gegen Klerikalismus und Korruption und galt seit der Spiegel-Affäre als Ikone der Pressefreiheit. Doch vor seinen großen Erfolgen als Journalist und Verleger, so zeigen die ehemaligen Spiegel-Journalisten Martin Doerry und Hauke Janssen Martin Doerry und Hauke Janssen, hatte er einen weiten Weg zurückgelegt, vom Jung-Redakteur einer nationalsozialistischen Zeitung und traumatisierten Kriegsheimkehrer bis zum überzeugten Liberalen und streitbaren Anwalt der Demokratie. Augstein war ein von Ehrgeiz und Machtwillen Getriebener, der hartnäckig für seine Ziele focht - für den politischen Einfluss seines Magazins und seine eigenen Ambitionen mit der FDP und, vor allem, für einen selbstbewussten Auftritt des wiedervereinigten Deutschlands unter den Völkern Europas.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.10.2026
Rezensent Majd El-Safadi empfiehlt die Augstein-Biografie der ehemaligen Spiegel-Mitarbeiter Martin Doerry und Hauke Janssen. Die Autoren lassen laut El-Safadi keinen Zweifel an der Egozentrik des Mannes und an seinem dehnbaren Wahrheitsbegriff. Das Buch findet der Rezensent "exzellent" geschrieben, der sachliche Ton und die sachliche Darstellung gefallen ihm, die Autoren urteilen klar und aus sicherer Distanz, meint er. Letzteres gilt laut El-Safadi u.a. für Augsteins Rekrutierung von NS-Personal und seinen Umgang mit Frauen. Vom erstmals möglichen Zugang zu Briefen und Geschäftsdokumenten der Augstein-Stiftung profitiert das Buch ungemein, findet El-Safadi.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.09.2026
Der hier rezensierende ehemalige Spiegel-Autor Reinhard Mohr liest die Augstein-Biografie des langjährigen stellvertretenden Spiegel-Chefredakteurs Martin Doerry und des Dokumentars Hauke Janssen mit Lust. Der Zugriff auf das gesamte Augstein-Archiv sorgt laut Mohr für nie gesehene Gründlichkeit und Detailtreue. Mitunter sind die dargestellten historischen Umstände überwältigend, so Mohr. Bemerkenswert findet Mohr den sachlichen Stil des Buches, das über Augsteins Lese- und Alkoholsucht genauso berichtet wie über seine Faszination für Hitler und die Übergriffigkeit bei jungen Spiegel-Mitarbeiterinnen. Für bereits Bekanntes halten die Autoren Ergänzungen bereit, Augstein schildern sie mit allen Stärken und Schwächen und Widersprüchen, ohne ein verkürzendes Resumée, lobt Mohr.
Majd El-Safadi liest für die FAZ Martin Doerrys und Hauke Janssens Biografie jenes charismatischen Medienmanns, der selbst noch sein Nachrichtenmagazin ein "Sturmgeschütz" nannte. Die beiden sind ehemalige Spiegel-Leute, erläutert er, schenken ihrem ehemaligen Chef aber nichts. Was Rudolf Augsteins bleibende Sympathie für alte Nazis und SS-Finsterlinge, die er mit Vorliebe zu Redakteuren machte, angeht, greifen sie auf Recherchen des früh verstorbenen Lutz Hachmeister zurück. Nur "stellen Doerry und Janssen fest, dass deutlich mehr ehemalige Nazi- und SS-Funktionäre in der Redaktion arbeiteten als bisher angenommen. Die Bedenkenlosigkeit, mit der Augstein einstige SS-Leute einspannte, lasse sich nicht mit Unwissen erklären. Die Beteiligung der SS am Massenmord an den Juden sei längst bekannt gewesen. Augstein gab später zu, er habe die Mitarbeiter aus 'Nützlichkeitserwägungen' engagiert, sie hätten über ein 'Expertenwissen' verfügt, das er 'andernorts nicht zu finden glaubte'." Unser Resümee
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