Markus Krajewski

ZettelWirtschaft

Die Geburt der Kartei aus dem Geiste der Bibliothek
Cover: ZettelWirtschaft
Kadmos Kulturverlag, Berlin 2002
ISBN 9783931659295
Kartoniert, 255 Seiten, 17,50 EUR

Klappentext

Mit 22 Abbildungen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.09.2002

Zettelwirtschaft will "das Ergebnis einer Zettelwirtschaft sein, deren Schreibgehilfe Krajewski heißt", meint Arno Orzessek. Ein Werk über das System Zettelwirtschaft kann offenbar nur auf die Feststellung hinauslaufen, dass in ihm geschildert wird, was vorher auch angekündigt worden ist - ein Durchgang durch die Zettel. Doch mische sich der Autor, entgegen der Diktion des Systems, in die Wirtschaft seiner Zettel ein. Man merkt dies an der "komplizierten, gelegentlich verquasten Syntax" des Autors, in der er auch gleichzeitig auf die Intention des Werkes hinweise. Krajewskis Studie ist eine höchst plausible Geschichte "der Geburt der Kartei aus dem Geiste der Bibliothek" geworden, die ihren theoretischen Rückhalt bei Michel Foucault und Friedrich Kittler findet, so der Rezensent. Ein Werk des jungen Berliner Kulturwissenschaftlers Markus Krajewksi, das in erster Linie nicht die menschlichen Ambitionen wissenschaftlichen Arbeitens verfolge, sondern den Beweis der immer wieder auftauchenden problematischen These, dass Karteien vermeintlich alles können. In den Augen Orzesseks ist Zettelwirtschaft "eine kulturwissenschaftliche Qualitätsarbeit, reich an Materialien, Anekdoten und Gedanken", die am Ende erkennen lasse, dass bei der angehäuften Materialdichte eines Zettelkastens der Zusammenhang manchmal auf der Strecke bleibt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 19.06.2002

Die kulturwissenschaftliche Schule Friedrich Kittlers ist in Krajewskis "Zettelwirtschaft" deutlich spürbar, meint Peter Haber, der dieses Buch dennoch mit Gewinn und Vergnügen gelesen hat. Der Zettelkasten ist der Vorläufer des PC und weit mehr als ein Relikt aus der computerlosen Zeit, referiert Haber: mit seiner Hilfe lässt sich nämlich die allmähliche Verzettelung des abendländischen Wissens nachvollziehen. Als erster habe der Naturforscher Konrad Gessner im 16. Jahrhundert eine "Biblioteca universalis" erstellt und darin auf variablen Papierschnitzeln sein Wissen katalogisierte. Erst später sei es zur dauerhaften Trennung von Gelehrten und Bibliothekaren gekommen, die das Wissen und den Bücherbestand der Gelehrten verwalteten. Man solle aber keine chronologische Geschichte vom Zettelkasten zur Datenbank erwarten, warnt Haber; der Autor greife exemplarisch bestimmte Begebenheiten heraus, etwa den "Technologietransfer" aus der Bibliothek in die Verwaltung und Bürowelt, der weitreichende gesellschaftliche Folgen gehabt hat. Dass der Autor auf einen Vergleich der damaligen Diskurse mit den aktuellen Debatten über Neue Medien verzichte, sei nur auf den ersten Blick enttäuschend, schließt Haber, man werde durch die kulturwissenschaftliche Würdigung des Gegenstandes reichhaltig entschädigt.

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