Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2026
ISBN
9783884237427 Broschiert, 280 Seiten, 26,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Sonja vom Brocke und Norbert Lange. "Form ist nichts Fixiertes, sondern Aktivität", schreibt Lyn Hejinian über ihr poetisches Programm. Ihr Werk greift Autobiografisches auf und überformt es, nimmt alltägliche Sprachphänomene in den Blick und übersetzt philosophische und politische Fragen in lyrische Prozesse. Formen des Essays und des Gedichts werden verknüpft und Gattungsgrenzen auf höchstreflektierte Weise überschritten. Es sind Texte, die stets auch ihren Entstehungsprozess mitreflektieren und die eigenen Kategorien hinterfragen. Auf die allgemeine Kontingenz reagiert Hejinian mit offenen, doch strukturierten Formen, die der Autorin ein beglückendes Maß an Freiheit ermöglichen und ihre Leserinnen und Leser auf Augenhöhe beteiligen. In "My Life" (erstmals 1980, in vorliegender Fassung 1987 erschienen), ihrem wohl einflussreichstem Werk, verbindet Hejinian das Prozessuale mit dem Konzeptuellen: Das Buch ist angelegt in 45 Kapiteln zu jeweils 45 Sätzen - eine Zahl, die dem Alter der Autorin während des Verfassens entspricht. Mit seiner vieldeutigen Grammatik und dem "Non sequitur" seiner Satzfolgen - kein Satz reagiert logisch ableitbar auf den vorausgehenden - hebt sich "My Life" deutlich von der vertrauten Sprache autobiografischer Schriften ab. Zwar gewinnt man Einblicke in das Leben der Autorin, gewahrt Schlaglichter auf Jahre und Jahrzehnte ihrer Biografie - von der Kindheit in Kalifornien während der Nachkriegszeit der 50er Jahre, dem politischen Aufruhr und erstem eigenen Engagement in den 60ern bis hin zu den von Studium und Lektüren geprägten 70ern und den 80ern der bereits erfolgreichen Dichterin. Selbst dort aber, wo das Buch private Erinnerungen aufgreift und diese so durchdringt wie beschwört, lässt es ein Subjekt aus einer expliziten Offenheit und Vieldeutigkeit entstehen. Die "Satz-Erinnerungen" (Hejinian) von "My Life" fügen sich zu einer ausgewogenen "Musik veränderlicher Teile", wie es der Dichter Charles Bernstein formuliert und damit auf ein wiederkehrendes Motiv aus Hejinians Buch Bezug nimmt: "Die naheliegende Analogie ist die zur Musik."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2026
Sehr schlau wird man nicht aus dieser Kritik von Gregor Dotzauer. Es geht um autobiografisches Schreiben, aber es gibt keine Erzählung, kein Thema, nicht mal Assoziationen, wenn wir das richtig verstehen, nur "Satzmonaden" mit Lücken, die man selbst schließen muss - was eine gewisse Lust dazu voraussetzt, wie Dotzauer zugibt. Er erkennt dann auch Motivketten - ein Beispiel, das er dafür gibt, erschließt sich dem Leser allerdings nicht. Was bleibt, ist das serielle Verfahren der Autorin, das Hinweise geben könnte, und eine laut Dotzauer "fesselnde" sprachliche Gestalt.
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