Aus dem Italienischen von Friederike Hausmann. Zeit seines Lebens war Giano ein "Widerspruchsteufel" gewesen, hatte die große Umwälzung herbeizuschreiben gesucht, als die Politik noch das Salz der Erde schien. Jetzt fragt er sich, ob sich das Salz oder die Erde verändert hat, er fragt sich, ob eine vom Wachstum besessene Welt sich nicht verhalte wie ein Mensch, dessen Ideal Übergewichtigkeit sei. Der alte Mann trifft sich mit seinen Geistern, den politischen, philosophischen und familiären. Er triff sich mit ihnen als gelassener Anarchist, dem es nicht auf Widerspruch ankommt, sondern auf mögliche Fragen. So entsteht, als Tagebuch um die Jahrtausendwende, ein gedanken- und anekdotenreiches Manual über unsere Zukunft.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 30.07.2002
Einen mehr oder weniger fairen Veriss legt Franz Haas zu Luigis Pintors Aufzeichnungen aus den Jahren 1997-99 vor. Pintor, die zentrale Figur der radikalen Linken Italiens, präsentiert die alte Leier, hält weiterhin dem Kommunismus die Treue und seinen Kurs zwischen Zivilisationskritik und Misanthropie, schreibt ein gelangweilter Haas, "auf allen Seiten weht der Geist der Rechthaberei, eine wunderliche Mischung aus politischem Pessimismus und Alterstarrsinn". Und ein großer Dichter ist Pintor auch nicht, fügt der Rezensent hinzu. Allein in den letzten Dingen, wo sich keine Ideologie mehr querstelle, zeige Pintor Stärke. Während seiner Aufzeichnungen starb innerhalb eines Jahres die gesamte Familie des Autors - die Frau, die Tochter, der Sohn. Pintors Scham, die eigenen Kinder überleben zu haben, schreibt Haas, vereint sich so in manchen Passagen mit seinem üblichen Widerspruchsgeist zu einem "wehmütigen Schwarzbuch des Lebens".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.06.2002
Ganz und gar nicht überzeugend findet der Rezensent David Wagner dieses schmale Buch. Ohne rechte Höhen "rilkt, dantet und leopardisiert" sich der italienische Autor Luigi Pintor mit seiner altersweisen Hauptfigur Giano doch ohne bestimmte Zielsetzung durch Themen wie das Wetter und die Jahreszeiten, meint der Rezensent etwas boshaft. Eine schlechte Imitation des großen "Gedankensammelsuriumschreibers" Leopardi sei das. Auch durch ein paar "originellere" Feststellungen wie die über die grundsätzliche Bartlosigkeit des Kinohelden Tarzan werden die eher unfreiwillig komischen Sätze nicht aufgewogen. Und da die "Schwelle zum Poetischen" wirklich an keiner Stelle überschritten werde, fragt sich Wagner schließlich, wie das zu verteidigen ist. Wohl vom Agenten oder Verleger überredet worden, vermutet er.
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