Leander Scholz

Windbraut

Roman
Cover: Windbraut
dtv, München 2002
ISBN 9783423242981
Broschiert, 193 Seiten, 13,00 EUR

Klappentext

Im Sturm hat Hilal ihn genommen. Hingerissen von der Leidenschaft seiner neuen Geliebten läßt Lenz sein bürgerliches Leben zurück. Job, Wohnung, Freundin, alles ist ihm egal. Schließlich verliert er seine Freiheit gänzlich an die Geliebte. Sie fesselt ihn und läßt sich von ihm schwängern. Als er aus seinem Liebestaumel erwacht, muß er feststellen: Die Windbraut hat ihn betrogen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2002

Der sexuelle Selbsterfahrungstrip eines Pärchens gerät stellenweise zu einem "Mediziner-Porno", unterlegt von "Philosophen-Latein", so Alexandra Kedves über Leander Scholz' jüngsten Roman "Windbraut"; kurz: eine krude Mischung oder, wie Kedves sagt, einfach "höherer Blödsinn", mit Betonung auf "höherer", denn immerhin hat der Autor seine heiße Liebesgeschichte mit Fundstücken aus seiner Zitatensammlung der Studienzeit sprich der neunziger Jahre gespickt. Swedenborg, Heraklit, der heilige Franziskus, Janis Joplin, alles dabei. "Windbraut" birgt also jede Menge bedeutungsschwangere Huberei und Raserei, die Kedves dennoch soweit imponiert, dass sie Scholz zugesteht, einen "eigenen kleinen Werther" verfasst zu haben. Denn unter all dem Schwulst lägen knappe karge wunderbare Sätze verborgen, meint die Rezensentin, die neben ihrem Sprachgefühl auch ihr Mitgefühl in Anspruch genommen sieht, da jeder doch, meint sie, eine solche Passionsgeschichte aus seiner Jugend mit sich rumtrage.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 28.08.2002

Claudia Kramatschek betont, dass der Roman durchaus ein "spannendes" und sehr "aktuelles Thema" aufgreift: die "luxuriöse Lust am Untergang", die sich in einer sadomasochistischen Beziehung zwischen den Protagonisten Lenz und Hilal ausdrückt. Allerdings bedauert die Rezensentin, dass in dem Roman alles "spröde Theorie" bleibt, weil der Autor die Rolle des Erzählers konsequent vermeide und stattdessen die "ironische Metaebene" bevorzuge. Auch im Ton vergreift sich Scholz nach Ansicht der Rezensentin zu oft, indem er mal zu "salopp", mal zu gestelzt formuliert. Das hat manchmal schon "unfreiwillige Komik", bemerkt Kramatschek. Insgesamt erscheint ihr die Haltung des "kalten Experimentators", in der sich der Autor versucht, so angestrengt, dass der Roman auch für den Leser zur "mühsamen Lektüre" wird.
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