Herausgegeben von Jörg Schweinitz, Hilde Hoffmann, Hilde und Tobias Ebbrecht. Schon in den Entstehungsjahren der DDR dienten Dokumentarfilme der Identitätsstiftung und ideologischen Selbstversicherung, sie propagierten eine neue Gesellschaft und konstruierten die dazu passenden Geschichtsbilder. Später reflektierten Filme dieser Gattung in genauer Beobachtung das widersprüchliche Leben im real existierenden Sozialismus und hielten zuletzt das Scheitern des zweiten deutschen Staates fest. Heute erinnern Dokumentarfilme über die DDR an eine verschwundene Gesellschaft und an Biographien, die von ihr geprägt worden sind. Als Gedächtnismedium bewahren sie Vergessenes und fordern zu einem Erinnern heraus, das sich an den gängigen Formeln reibt. Der vorliegende Band beschäftigt sich mit Dokumentarfilmen aus der und über die DDR, aber auch über deren Nachleben als Teil des visuellen Gedächtnisses. Bekannte und nahezu vergessene Filme werden neu betrachtet, wobei Fragen nach ästhetischen Profilen, nach den großen und den feinen Unterschieden im Spiel zwischen Ideologie und Realitätssuche und nach den Wandlungen der Geschichte ebenso nachgegangen wird wie den Möglichkeiten und Grenzen des dokumentarischen Erinnerns.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.03.2010
Unterschiedlich gut gelungen findet Hans-Jörg Rother die verschiedenen Texte und Studien des Sammelbands "DDR - erinnern, vergessen", der sich mit ostdeutschen Dokumentarfilmen als wichtiger Quelle der DDR-Geschichtsschreibung beschäftigt. Aus verschiedenen Beiträgen des Buches, dessen Titel der Rezensent ein wenig verwirrend findet, erfährt Rother vom großen Interesse der DDR an sogenannten "Staatsfilmen", in denen das nationalsozialistische Geschichtsbild durch das sozialistische ersetzt wurde, oder der amerikanischen Imperialismus thematisiert wurde. Aus vielen Beträgen zieht der Rezensent keine neuen Erkenntnisse, lobt jedoch die Studien Klaus Kreimeiers und Günter Agdes, die seiner Meinung nach unter den sonst sehr theorielastigen Texten hervorstechen.
Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr… Valeria Gordeev: Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle Konstantin und Lada haben den Kontakt verloren. Während Konstantin in einem unterirdischen Forschungslabor festsitzt, das Lenins Leichnam konserviert, kämpft seine Schwester… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…