Jehoschua Kenaz

Die Nachmittagsvorstellung

Erzählungen
Cover: Die Nachmittagsvorstellung
Luchterhand Literaturverlag, München 2012
ISBN 9783630873336
Gebunden, 269 Seiten, 18,99 EUR

Klappentext

Aus dem Hebräischen von Barbara Linner. Eine private Filmvorführung in der Vorstadt kommt wegen zahlreicher Hindernisse und skurriler Ereignisse nie über den Vorspann hinaus, was der Eingeladene besonders ärgerlich findet, da es sich um einen Pornostreifen handeln soll. Ein Nachbar beschwert sich beim Hausbeirat über die Wohnung mit Eingang zum Hof, weil der Briefkasten schon überquillt: Der Mieter dort könnte verschwunden oder gar tot sein, da müsse man doch etwas unternehmen. Zu einem Fest in einer neuen Wohnung erscheinen lauter Leute, die sich untereinander nicht kennen und auf jemanden warten, der aber nicht kommt; stattdessen liegt eine Leiche im WC.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.12.2012

Jehoschua Kenaz' Texten hat es auf keinen Fall geschadet, dass der israelische Autor sich wesentlich zurückhaltender gibt als seine Kollegen Amos Oz und David Grossmann, findet Jakob Hessing - im Gegenteil: die neun Erzählungen, die in "Die Nachmittagsvorstellung" jetzt in deutscher Übersetzung erschienen sind, seien meisterhaft gelungen. Den wesentlichen Unterschied erkennt der Rezensent in Kenaz' Fokus. Der strebe nicht danach, die "Lage der Nation" zu repräsentieren, sondern wende sich ganz konkreten, einzelnen Geschichten zu. In der Titelerzählung schreibt er von der privaten Vorführung eines Pornofilms, anwesend ist neben anderen eine Familie samt Sohn, berichtet der Rezensent. Zunächst ist alles höchst vergnüglich und Hessing freut sich über den schwarzen Humor des Autors - bis das Ganze in eine Katastrophe mündet, "die das Lachen erstickt". Durch Aussparungen weisen die Erzählungen über ihren jeweiligen Kontext hinaus, meint Hessing. Gerade darin sieht er das große Talent des Autors: "Kenaz ist ein Meister des Erzählens und des Verschweigens zugleich."

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.03.2012

Stefana Sabin zählt Jehoschua Kenaz zu den israelischen Schriftstellern, die sich eine kritische Haltung gegenüber ihrer Tradition bewahrt haben. In den früheren Werken des Autors ist diese Kritik allerdings drastischer gewesen, als in den neu erschienenen Erzählungen in "Die Nachmittagsvorstellung", weiß die Rezensentin, die diese ausführlich aufführt. Das neue Buch versammle Alltagsgeschichten, die Sabin "unspektakulär und dennoch dramatisch" findet. Besonders die Titelerzählung von einem narkoleptischen Polizisten hat ihr gefallen.
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