Ein angesehener, freundlicher Herr, Doktor der Medizin, erschlägt nach vierzig Ehejahren seine Frau mit einer Axt. Er zerlegt sie förmlich, bevor er schließlich die Polizei informiert. Sein Geständnis ist ebenso außergewöhnlich wie seine Strafe. Ein Mann raubt eine Bank aus, und so unglaublich das klingt: er hat seine Gründe. Gegen jede Wahrscheinlichkeit wird er von der deutschen Justiz an Leib und Seele gerettet. Eine junge Frau tötet ihren Bruder. Aus Liebe. Lauter unglaubliche Geschichten, doch sie sind wahr.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.09.2009
Oliver Jungen kann sich mit Ferdinand von Schirachs Kurzgeschichten nicht recht anfreunden, denn im Lauf der Lektüre fällt ihm auf, dass die Stories, die allesamt Verbrechen aus der Sicht eines Strafverteidigers schildern, im gleichen Ton der "ostentativen Unvoreingenommenheit" geschrieben sind. Auf ihn wirken die betont sachlichen Schilderungen der Verbrechen, die stets das "Menschliche" hinter der Tat herauszustellen suchen, sei es die Ermordung der Ehefrau, Kannibalismus oder schnöder Raub, letztlich wie Plotextrakte oder Drehbuchentwürfe, die in ihrer konzentrierten Abfolge schwer zu goutieren seien. Jungen fehlt der "narrative Überbau" und die literarische Eigenständigkeit, zudem lassen die vorgestellten Figuren an Plastizität vermissen, wie er kritisiert. Hier sticht für den Rezensenten lediglich die Abschlussgeschichte hervor, die ihn als "unplausible, schöne" Erzählung überzeugt. Als "Plädoyer für das abwägende Schuldstrafrecht" allerdings, das "Motive und Intentionen" der Verbrecher beim Schuldspruch berücksichtigt, gewinnen die Kurzgeschichten den Rezensenten durchaus.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.09.2009
Tobias Kniebe ist begeistert vom Erzähldebüt Ferdinand von Schirachs und findet, dass die Lesart der Verbrechensgeschichten als kaum verbrämte Enthüllungen aus dem Berufsalltag eines Berliner Strafverteidigers viel zu kurz greift. Dieses Missverständnis ergibt sich laut Rezensent nicht nur aus der Tatsache, dass der Autor und sein Erzähler diesen Beruf teilen, auch Schierach selbst stützt diese Rezeption durch die Behauptung, die geschilderten Taten beruhten auf echten Fällen und er habe lediglich Namen und Orte verändert. Das lenkt Kniebes Ansicht nach von den unglaublich treffenden Porträts und Miniaturen dieses Bandes ab, der ein Polizeirevier in seiner ganzen Tristesse ebenso glaubwürdig zu zeichnen versteht wie das Innenleben eines schwäbischen Axtmörders. Und so macht man in Schierachs Geschichten "genuin literarische Entdeckungen", die weit entfernt von "Tatort"-Klischees tief im Gedächtnis bleiben, preist Kniebe.
Caroline Wahl: 1999 Meter über dem Meer Der Selbstfindungstrip nach Bali? Samara hat niemanden gefunden. Die hippe Agentur in Berlin-Mitte? So öde wie irgendein anderer Job. Samara weiß, was sie alles nicht mehr… Valeria Gordeev: Die Zikade entschlüpft ihrer goldglänzenden Hülle Konstantin und Lada haben den Kontakt verloren. Während Konstantin in einem unterirdischen Forschungslabor festsitzt, das Lenins Leichnam konserviert, kämpft seine Schwester… Dana Vowinckel: Anton und Alma Anton und Alma lernen sich bei einem Schüleraustausch in der Bretagne kennen. Jahre später treffen sie sich auf einer Party wieder. Beide kommen aus Berlin und studieren… Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre…