Zweisprachig. Aus dem Arabischen von Kerstin Wilsch, Leila Chamaa und Dima Albitar Kalaji. Mit "An das Monster" erscheint der erste deutsch-arabische Band von Dima Albitar Kalaji. Der Band versammelt kürzeste Texte. Das "Monster" geistert in Form eines Dus durch die Zeilen und nimmt dabei unterschiedliche Formen an: Depression, Schlaflosigkeit, Patriarchat, Diskriminierung, Einsamkeit,Liebe. Eine Liebe, die längst verflossen ist, sich aber nicht verflüchtigen will. Die inneren Distanzen dieses störrischen Gefühls und die äußeren Distanzen eines Lebens in der Diaspora unterkellern jede Seite. Die wenigen Worte, die auf das Weiß des Papiers gesprenkelt sind, erscheinen wie Fußspuren im Schnee.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 01.08.2026
Wachsam nähert sich Rezensentin Insa Wilke den Gedichten von Dima Albitar Kalaji: schwebende Herzen und Regenbogen im ersten Gedicht, ist das Kitsch? Fast leere Seiten mit Bemerkungen über unerzählte Geschichten - ist das Pathos?, fragt sie zunächst, zeigt sich dann aber zunehmend bezaubert von der Art und Weise, wie die Autorin, die jahrelang exilierte Autoren unterstützt hat und selbst im deutschen Exil lebt, ihre "Entzweiung" nach vielen Essays und Podcasts nun in ihr erstes Buch verpackt hat: in der lyrischen Anrede an ihr Kind (daher die "Regenbögen"), aber auch in der Anrufung des "Monsters", als das die Kritikerin mit der Zeit die Diktatur ausmacht, die sich wie eine Folie der "Trockenheit" über alles Erleben legt, wie Wilke einem Essay von Kalaji entnimmt. Auch in der Sprache zum Teil eine trockene Reduktion aufs Deskriptive: wenn in zerbombten Städten Häuser und Menschen "gestapelt und aufgetürmt" und dabei zu "einer" Farbe, "grau und rot", werden, ist das für Wilke "nicht naiv, sondern konkret". Und trotzdem bleiben die Gedichte "zugewandt", hell, und für die Kritikerin letztendlich: "zum Weinen schön".
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