Mit Abbildungen. Aus dem Englischen von Bernhard Schmid. Sie ist noch jung und hat bereits Geschichte geschrieben: Die weltweit Occupy-Bewegung. Mit dem Aufruf: "Occupy Wall Street" besetzt im September 2011 eine Gruppe von Aktivisten den Zuccotti-Park im New Yorker Finanzdistrikt um friedlich gegen Finanzmärkte und Banken sowie die Untätigkeit der Politik zu demonstrieren. Binnen kürzester Zeit mobilisiert die Bewegung hunderttausende Menschen rund um den Globus, kreuz und quer durch alle Bevölkerungsschichten. Sie alle eint die Empörung über ein System das jene, die sich an die gesellschaftlichen Spielregeln halten, im Stich lässt und Vermögen ungerecht verteilt, zugunsten einer kleinen Elite. Als Anthropologe und Vordenker hat David Graeber der Occupy-Bewegung intellektuellen Tiefgang verliehen. Mit seinem Buch bietet er nun auf rund 160 Seiten Einblicke in das Zentrum der größten Protestbewegung seit Jahrzehnten. Er berichtet, wie sie sich formierte und welche Ziele sie verfolgt. Graeber legt außerdem die Prinzipien von Postesten dar und zeigt konkret, was jeder Einzelne politisch verändern kann. Die Occupy-Bewegung markiert womöglich erst einen Anfang.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.05.2012
Dem hochgejubelten David Graeber, dem Autor des Buches "Schulden" möchte Franziska Augstein lieber keinen Glauben schenken, sie hat es nicht so mit Orakeln. Dem David Graeber der Occupy-Bewegung allerdings, der in diesem vergleichsweise schmalen Band über seine Erfahrungen mit Twitter, mit der New Yorker Polizei und mit der Organisation großer Demonstrationen berichtet, hört sie gerne zu. Es handelt ja auch von Handfestem, und es ist wichtig, findet Augstein, weil Politiker hier erfahren können, wie die Leute da draußen ticken, und Demokratiegläubige lernen können, wie sie für ihr System eintreten können. Angenehm erscheint der Rezensentin ferner, dass der Autor erst gar nicht versucht, die Finanzmärkte zu erklären. Dafür wäre dann wieder das Orakel zuständig.
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