Dagmar Leupold

Muttermale

Roman
Cover: Muttermale
Jung und Jung Verlag, Salzburg 2025
ISBN 9783990274194
Gebunden, 176 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Dagmar Leupold bringt Dinge zum Sprechen - sie erzählen von der Mutter, aber auch von Krieg, Flucht und Fremdheit.Wie erzählt man von der eigenen Mutter? Vor über hundert Jahren in Ostpreußen geboren, vor der Roten Armee geflohen, auf Umwegen irgendwo im deutschen Westen angekommen und dort, im neuen Leben, in der neuen Zeit nach dem Krieg, von dem bald keine Rede mehr war, immer fremd geblieben. Fremd auch der eigenen Tochter, die sich weiter und weiter entfernte, bis die Geschichte der Mutter irgendwann unbegreiflich geworden war. Muttermale ist der Roman einer Annäherung. In immer neuen Anläufen versucht Dagmar Leupold, Verlorenes wiederzugewinnen. Sie greift dazu auf das zurück, was vom Leben der Mutter geblieben ist, Alltagsgegenstände, Gewohnheiten, Fotos, gern gebrauchte Wörter und Sätze: alles, was über die Zeit hinweg von der Mutter zu ihr spricht. Sie lauscht diesem Sprechen, um ihm Geheimnisse und Unausgesprochenes abzulauschen, und findet immer wieder Spuren eines Traumas.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 04.12.2025

Eine "sprachkundige Künstlerin" ist Dagmar Leupold für den Kritiker Carsten Hueck: In ihrem neuen Buch widmet sie sich der Beziehung zu ihrer Mutter, die sie als stellvertretend für eine ganze Generation be- und erschreibt. Die Mutter ist vom Krieg geprägt, musste fliehen, hat sich schwer getan, der Tochter Liebe und Zuneigung offen zu zeigen, viele traumatische Erinnerungen werden in der "Asservatenkammer" des Gedächtnisses aufbewahrt, Hueck liest von vielen Verniedlichungen, die die Mutter anwendet, um das kalte Leben etwas erträglicher scheinen zu lassen. Für ihn ist das Buch eine wunderbare Mischung aus Empathie, Sprachkunst und Genauigkeit.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 20.11.2025

Jedes Wort ist in Dagmar Leupolds neuem Buch am richtigen Platz, findet Rezensentin Andrea Köhler: In der Du-Ansprache richtet sich das Buch an ihre Mutter, die aus Ostpreußen geflohen ist und zeit ihres Lebens geschwiegen hat dazu. Ein "fortlaufendes Band der Verfehlungen" läuft in der gemeinsamen Geschichte von Mutter und Tochter ab, was Leupold Köhler zufolge in den alltäglichen Szenen des Familienlebens deutlich macht. Trotz aller Trostlosigkeit und Kriegstraumatisierung gibt es immer wieder auch wärmende Momente zwischen tröstendem Essen und nächtlicher Geborgenheit, erfahren wir. Für die Rezensentin ein Buch, das durch seine präzise Sprache und seine Befreiung des Schweigens zwischen Mutter und Tochter überzeugt.

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