Nach drei Jahren deutscher Besatzung Weißrußlands (1941 bis 1944) war nichts mehr wie zuvor. Nahezu 1,7 von zehn Millionen Einwohnern waren ermordet, fast 400000 als Zwangsarbeiter verschleppt worden. Die Städte des Landes waren zum Großteil in Ruinenfelder verwandelt, drei Millionen Menschen waren obdachlos. Die industrielle Kapazität tendierte gegen Null, und der Viehbestand war um 80 Prozent gesunken. Weißrußland schien fast ausgelöscht. Der Historiker Christian Gerlach hat sich dieser bisher nur bruchstückhaft aufgearbeiteten Besatzungsgeschichte in einer monumentalen Studie angenommen. Auf breiter Quellenbasis gibt seine Darstellung tiefe Einblicke in die Praxis der Vernichtung.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 09.12.1999
Gleich im ersten Satz seiner sehr ausführlichen Rezension macht Wolfram Wette deutlich, dass er diese Buch für "einen bedeutenden Beitrag zur historischen Forschung über die Rolle der Deutschen im Zweiten Weltkrieg" hält. Er begründet dies mit zahlreichen Argumenten, vor allem hebt er Gerlachs Quellenforschung und -verarbeitung hervor, seine präzise und nüchterne Art der Darstellung sowie die Darlegung seiner These, dass vor allem ökonomisches Kalkül zu den wichtigsten Motiven der deutschen Besatzungspolitik in Weißrußland gehört hat. Den Lesern, die jedoch etwas über die Perspektiven der Opfer erfahren möchten, empfiehlt er Paul Kohls Buch "Ich wundere mich, dass ich noch lebe". Trotz des enormen Umfang dieses Buches hält es der Rezensent durchaus für möglich, dass "Kalkulierte Morde" auch über Fachkreise hinaus seine Leser finden wird. Denn gerade über die Wehrmacht habe Gerlach einige diskussionswürdige Aspekte beizusteuern. Wette hebt in diesem Zusammenhang Gerlachs Nachweis hervor, dass sich auch das Potsdamer Infanterie-Regiment 9 Verbrechen schuldig gemacht habe - womit der Autor den Erinnerungen Richard von Weizsäckers widerspricht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.10.1999
Nils Minkmar bespricht Christian Gerlachs Buch über die deutsche Vernichtungspolitik in Weißrussland mit äußerster Sachlichkeit. Man merkt dem Rezensenten an, wie sehr er ein leichtfertiges Wort fürchtet, das dem Thema nicht angemessen sein könnte. So vermeidet Minkmar jede subjektive Wertung und stellt vor allem ausführlich die Hauptgedanken des Buches dar, nämlich dass eine "Mischung aus strategischem und wirtschaftlichem Kalkül und Mordlust" die deutsche Besatzungspolitik in Weißrussland kennzeichnete. Diese Politik zeichnet Gerlach, wie Minkmar meint, in ihren einzelnen Entscheidungs- und Umsetzungsstadien detailliert nach.
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