Asne Seierstad

Der Krieg ist anderswo

Russland von innen
Cover: Der Krieg ist anderswo
Carl Hanser Verlag, München 2026
ISBN 9783446286672
Gebunden, 608 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Aus dem Norwegischen von Anja Lerz. Wie steht die russische Gesellschaft zu Putins Herrschaft und zum Krieg gegen die Ukraine? Eine Reportage von Åsne Seierstad Im Januar 2023 überquert ein junger Russe mitten in der Nacht die Grenze zu Norwegen. Nachdem er mit der Wagner-Gruppe in der Ukraine gekämpft hat, hofft er auf Asyl. Åsne Seierstad trifft ihn, um seine Geschichte zu erfahren. Dann will sie genauer wissen, wie die Menschen in Russland den Krieg und Putins Herrschaft erleben. Es gelingt ihr, durch das riesige Land zu reisen, nach Sibirien, wo die Armee ihre Soldaten rekrutiert, und in die Großstädte, wo viele den Krieg verdrängen. Sie trifft Fanatiker, Mitläufer und Oppositionelle, sie erlebt Angst und Lethargie, Mut und Verblendung. So findet sie den Stoff für das Panorama einer zerrissenen Gesellschaft, die es Putin möglich macht, unbeirrt an seinen Zielen festzuhalten.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.08.2026

Rezensentin Kerstin Holm nähert sich mit der norwegischen Autorin Åsne Seierstad dem gegenwärtigen Russland. Seierstad erzählt zum einen von ihren Reisen, die sie mehrere Jahre lang während des Ukrainekriegs im Land unternahm und die sie mit Menschen diverser Gesellschaftsschichten in Kontakt brachte. In einer längeren Passage widmet sie sich außerdem dem Leben des ehemaligen Wagner-Söldners Andrej Medwedew, der inzwischen aus Russland geflohen ist. Dessen von Gewalt und Verwahrlosung geprägte Lebensgeschichte dient Seierstad als "Schlüssel und Ariadnefaden" bei der Erkundung Russlands, so Holm. Die Autorin unterhält sich mit Menschen in Medwedews sibirischer Heimat, aber auch mit aalglatten Moskauer Intellektuellen und den letzten versprengten Oppositionellen, darunter der inzwischen inhaftierte Lew Schlosberg. Erschütternd und aufschlussreich ist das, so die Kritikeirn, und außerdem ausgezeichnet übersetzt von Anja Lenz - nur die russischen Namen sind leider nicht immer korrekt geschrieben, da wurde offenbar am Lektorat gespart. Am positiven Tenor der Besprechung ändert das nichts.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 22.08.2026

Schlichtweg ein Meisterwerk hat Åsne Seierstad in den Augen von Rezensent Richard Kämmerlings geschrieben. Die norwegische Journalistin hat sich für dieses Buch mit zahlreichen Russen aus allen möglichen Gesellschaftsschichten unterhalten - und zwar in Russland selbst, das sie mithilfe eines Business-Visums bereiste. Den Anfang macht eine Begegnung, die sie noch in ihrer norwegischen Heimat machte: Seierstad lernte den ehemaligen Wagner-Söldner Andrej Medwedjew kennen, dessen Lebensgeschichte sie "im Stil eines dokumentarischen Romans" ausbreitet, wobei sich die Nähe der gegenwärtigen russischen Kultur zu Gewalt auf verschiedenen Ebenen offenbart. In Russland selbst spricht Seierstad sowohl mit putintreuen Menschen als auch mit den letzten aufrechten Oppositionellen. Fast schon ethnologisch nähert sich die Autorin Russland und den Russen, meint der restlos begeisterte Kämmerlings, insgesamt ist "etwas zwischen Protokoll und Reisebericht, Kriegsroman und Sachbuch, Essay und investigativer Recherche" entstanden, sogar Dostojewski-Vergleiche erscheinen dem Rezensenten nicht abwegig. Insbesondere vermeintliche Russlandversteher, aber letztlich schlicht alle, die etwas über die russische Gegenwart lernen wollen, sollen doch bitte dieses Buch lesen, ruft der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 19.08.2026

Rezensentin Andrea Gerk jubelt: Ein herausragendes Buch über Russland hat Åsne Seierstad geschrieben. Die norwegische Journalistin verschaffte sich just, als viele westliche Kollegen das Land verließen, ein Russland-Visum und unterhielt sich mit vielen unterschiedlichen Menschen im Land. Eindrücklich ist außerdem ein Gespräch, das Seierstad mit dem inzwischen exilierten ehemaligen Wagner-Söldner Andrej Medwedew führt und das die russische Gesellschaft als eine zeichnet, die zutiefst von Gewalt geprägt ist. Man merkt, findet Gerk, dass die Autorin Russland wirklich kennt und deshalb sehr nahe an ihre Gesprächspartner heran kommt. Das Ergebnis ist ein komplexes Russlandbild jenseits gängiger Klischees, und außerdem, der flüssigen Schreibweise sei Dank, ein veritabler Pageturner, freut sich die Rezensentin. 

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