Aus dem Russischen und mit einem Nachwort von Erich Klein. "Wer war Michail Iwanowitsch?" Auf detektivische Weise und zwischen Dokumentation und Fiktion umkreist der Roman die schillernde Figur des M. I. Tereschtschenko (1886-1958): Der liberale Großbürger taucht um 1900 schlagartig in den Kreisen der vornehmen Welt von Moskau und Petersburg auf, beteiligt sich an einer Verschwörung gegen den Zaren und wird 1917 Mitglied der Provisorischen Regierung. Als Finanz- und Außenminister spielt er eine entscheidende Rolle in der Geschichte Russlands im Ersten Weltkrieg, die mit der Oktoberrevolution eine Wendung nimmt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.08.2002
Rezensent Ulrich M. Schmid verbindet seinen flammenden Verriss dieses Romans mit einer deutlichen Warnung an Professoren, der besonders unter russischen Intellektuellen grassierenden Krankheit der "Graphomanie" zu verfallen - also dem Zwang, neben der wissenschaftlichen Arbeit auch noch Romane zu verfassen. Allzu oft ende "der Ritt des Akademikers auf Pegasus im seichten Graben literarischer Konfektion". Auch der vorliegende Roman sei mitnichten so spannend, wie der Autor selber glaube, der seine Leser mit "endlosem Geschwätz über seine Lebensgeschichte" langweile. Damit dem Leser der letzte Zweifel über den Rang des Geschriebenen genommen wird, mutmaßt der aufgebrachte Rezensent, rücke sich der Autor auch noch in die Nachbarschaft von Proust, Borges und Nabokov. Hier sorgt dann die Ironie des Autorenschicksals beim geplagten Rezensenten doch noch für Erheiterung. Eines dieser Motti legt nämlich unfreiwillig den Grund von Pjatigorskijs Scheiterns als Schriftsteller selbst offen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 24.12.2001
"Selbstverständlich vertrackt" ist der neue Roman des 1929 in Moskau geborenen und 1974 nach London emigrierten Schriftstellers Alexander Pjatigorskij, der im letzten Jahr dafür in Petersburg mit dem Andrej-Belyi-Preis ausgezeichnet wurde, berichtet Eske Bockelmann. Der Autor hat eine bewegte Biografie, weiß die Rezensentin. In der Emigration lehrte er altindische Geschichte in englischer Sprache, seine Bücher aber schreibe er in Russisch. Der Roman spiele im heutigen Russland, ohne es zu benennen, denn sein Protagonist sei der 1917 verschwundene Finanz- und Außenminister Michail Iwanowitsch Tereschtschenko, auf dessen Spuren sich der Erzähler begebe und feststellen müsse, dass sich aus den Gesprächen mit Zeitzeugen und Weggefährten kein ganz schlüssiges Bild ergebe, erzählt die Rezensentin. Aber das, verspricht sie, gerate nie zu einer zermürbenden Odyssee, sondern werde stets mit viel Witz erzählt.
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