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28.08.2026. Die FAZ fragt, wie viele Überschwemmungen und Waldbrände es noch geben muss, damit die Politik das Thema Klimawandel ernst nimmt. Ebenfalls in der FAZ ärgert sich der Soziologe Matthias Quent, dass die Demokratieförderung hierzulande vernachlässigt wird, was der AfD zu Gute kommt. In der Welt erzählt der palästinensische Aktivist Hamza Howidy, wo in der Nahostdebatte die blinden Flecken beider Seiten liegen. Die SZ erinnert die Großstädter daran, dass ihr Kokain nicht Fair-Trade ist.
Im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet hat eine riesige Sturzflut Dörfer und Straßen überschwemmt. Gemeldet werden bisher fast 400 Tote und bis 1500 Vermisste. Auslöser war wohl das Abbrechen eines großen Eisblocks aufgrund der Gletscherschmelze.
Die Bilder der Zerstörungen sind schockierend. Allerdings, kommentiert Joachim Müller-Jung in der FAZ, außer Entsetzen und "Katastrophennabelschau" wird auch diese Naturkatastrophe wohl keine politischen Konsequenzen haben: "Was geschah, nachdem chinesische Wissenschaftler vor vier Jahren (wieder einmal) Alarm schlugen und unter den etwa 24.000 Gletscherseen im Himalaja-Gebiet mehr als 550 als 'Hochrisiko-Gletscher' identifizierten? Nichts. Dass der Weisshorn-Gletscher oberhalb von Randa im Wallis gefährlich instabil geworden ist, dass Hunderttausende Kubikmeter Eis abzubrechen drohen (und stückchenweise bereits abbrechen), erweckt, selbst vor dem Hintergrund der im vorigen Jahr erlebten Birch-Gletscher-Katastrophe in Blatten, wie viel öffentliche Aufmerksamkeit? Null."
Auch Petra Ahne beklagt in der FAZ, dass Katastrophen schnell vergessen sind, solange man nicht persönlich betroffen ist. Auch die verheerenden Waldbrände hierzulande sorgten in der deutschen Politik nur für eine zeitweilige Einsicht. Nachdem Friedrich Merz energische Maßnahmen gegen den Klimawandel ankündigte, variierte er wenige Tage später "die Worte schon wieder in vertrauterer Rhetorik: 'Wir allein in Deutschland können den Klimawandel nicht zurückdrängen', erklärte er am Mittwoch nach der Arbeitsklausur des Kabinetts. Unter milder Sonne und vor gepflegtem Schlossensemble war der verbrannte Wald wohl schon wieder weit weg." Eine "solche Krise der Vorstellungskraft macht auch den Kampf gegen die Klimakrise so stockend. Sobald das Alltägliche zurückkehrt, übernimmt es. Irgendwann zeigt sich jede Jahreszeit wieder annähernd so, wie man sie kennt. Irgendwann fällt doch wieder Regen. Wo die Feuer gewütet haben, sprießt bald neues Grün, und im nächsten Jahr brennt es woanders."
Eine andere Reaktion auf den Klimawandel als Ignoranz ist die neue Debatte zwischen "Klimaanpassung" und "Klimaschutz", konstatiert Bernd Ulrich in der Zeit. Eine künstliche Unterscheidung, meint er: "Der Zielkonflikt zwischen Klimaschutz und Klimaanpassung ist auch deswegen so konstruiert, weil die meisten Maßnahmen, die dem einen nützen, auch dem anderen dienen. Denn um des Hochwassers Herr zu werden, müssen die Flüsse aus ihren kanalhaften Betten befreit werden; um die Hitze in den Städten erträglich und überlebbar zu halten, um die Städte zugleich vor Überschwemmung zu schützen, müssen sie ergrünen und dabei radikal entsiegelt werden; um Bränden vorzubeugen, müssen Moore wieder vernässt werden, was nebenbei CO₂ speichert; schwer brennbar und gegen Borkenkäfer resilienter sind Laubwälder, die auch sonst ökologisch viele positive Effekte hätten; entschieden verminderte Viehhaltung dient der klimatischen Wehrhaftigkeit der Natur und schützt den Regenwald, der CO₂ speichert und Sauerstoff produziert - bis er es nicht mehr tut."
In der NZZ schaut Elke Heidenreich derweil traurig auf den ausgetrockneten Rhein: "Vielleicht haben wir ja auch nie wirklich darüber nachgedacht, wie wichtig Wasser ist. Der Politiker Heiner Geissler, mit dem ich trotz sehr gegensätzlichen politischen Ansichten bis zu seinem Tod 2017 eng befreundet war, hat gesagt: 'Du wirst es sehen, die beiden großen Weltprobleme in den nächsten Jahren werden der Islam und der Kampf um Wasser sein.' Wasser - das Selbstverständlichste, das - außer Luft - Wichtigste zum Leben, Wasser wird knapp? Ist es das, was uns der fast ausgetrocknete Rhein gerade sagen will? Unsere verdorrten Gärten und Wälder sprechen auch eine deutliche Sprache. Da läuft doch irgendwas falsch, und auch der letzte Trottel, der sich alles schönreden will, muss es einsehen. DA LÄUFT WAS FALSCH." Buch in der Debatte
Bestellen Sie bei eichendorff21!"In manchen Kreisen der westlichen Linken ist der Rückhalt für die Hamas größer als in den palästinensischen Gebieten selbst", hält der palästinensische Aktivist Hamza Howidy, der selbst vor der Hamas aus dem Gaza-Streifen floh, im Welt-Gespräch mit Nicholas Potter fest. Der pro-israelischen Seite hat er aber auch einiges vorzuwerfen. Die meisten Menschen wollen ihm zufolge nicht wahrhaben, "dass die israelische Armee Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen hat, darunter das Aushungern der Bevölkerung. Es gibt immer noch Leute, die es so darstellen wollen, als sei das nicht geschehen. Viele haben keine Vorstellung davon, wie das Trauma dieser Menschen jemals aufgearbeitet werden soll. Fast jede Familie in Gaza hat in diesem Krieg jemanden verloren. Mehr als 2000 Familien wurden von israelischen Luftangriffen ausgelöscht." Über seine Flucht aus dem Gaza-Streifen und den Widerstand gegen die Hamas hat Howidy ein Buch geschrieben.
Der Israeli Evyatar David, den die Hamas auf einem Propagandavideo in völlig abgemagertem Zustand sein eigenes Grab schaufeln ließ, hat dem Sender CNN ein erstes Interview nach seiner Freilassung gegeben. In der Jüdischen Allgemeinenresümiert Sabine Brandes seine Schilderungen von der Gefangenschaft mit monatelang andauernden Hungerperioden: "Manchmal gab es tagelang nur etwas Linsen, manchmal ganze Tage vergingen ohne jegliches Essen. 'Neben dem körperlichen Gefühl, ständig Hunger zu haben, ist das seelische Gefühl, keine Kontrolle darüber zu haben, was und wann man isst, am schlimmsten. Wir wussten nicht, ob wir morgen oder in zwei Tagen etwas zu essen bekommen. Das war wohl das Schwierigste - der Gedanke, zu verhungern.'" Was "seine Entführer betrifft, macht sich David keine Illusionen und beschreibt eine mörderische Ideologie: 'Sie kümmern sich nicht um Gaza. Selbst die Palästinenser in Gaza haben Angst vor der Hamas. Ihnen ist alles egal, sie wollen nur die Macht, das Land Israel, Jerusalem und alle hier töten. Sie wurden von Kindesbeinen an darauf erzogen, und man kann es ihnen nie recht machen.'"
Die AfD nutzt die Enttäuschung der Menschen in das bestehende politische System aus, erklärt im FAZ-Interview mit Melanie Mühl der Soziologe Matthias Quent. Vor allem im Osten herrsche "eine Art Lieferando-Kultur: Demokratie wird nicht als etwas verstanden, das ich mitgestalte, sondern als etwas, das liefern soll." Allerdings versagen auch die Institutionen bei der Demokratieförderung: "Politische Bildung rauscht zu oft an den Berufsschulen, Sekundar -bzw. Realschulen vorbei. Auf Grund des Lehrermangels kann dort nicht mal der Lehrplan erfüllt werden - verkürzte Wochen und Tage sind die Regel, was Eltern zu Recht auf die Palme bringt. Das vermittelt den Eindruck, abgehängt zu sein und dass der Staat seine Aufgaben nicht erfüllt, und das stimmt ja auch." (...) Ich habe ein Störempfinden, wenn ich sehe, wie schlecht und kurzfristig finanziert Demokratieförderung ist und wie sie mit Erwartungen überfrachtet wird. Damit Bildung wirken kann, muss sie überhaupt stattfinden können."
Laut einer Welt-Recherche hat der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund Verbindungen ins Neonazi-Milieu, schreiben Frederik Schindler und Nicholas Potter. Vier Mitarbeiter von Siegmunds Landtagsfraktion sind laut den Autoren ehemalige Mitglieder der Heimattreuen Deutschen Jugend (HDJ): "In der der Welt vorliegenden Verbotsverfügung heißt es, der Verein sehe sich 'in der Tradition der Hitlerjugend'. Das Bundesverwaltungsgericht wies eine Klage der HDJ gegen das Vereinsverbot im Jahr 2010 ab. 'Die HDJ ist der Blut-und-Boden-Ideologie und der Rassenlehre der Nationalsozialisten verhaftet', teilte das Gericht damals mit. Eigentlich steht die HDJ auf der Unvereinbarkeitsliste der AfD. Wer dort Mitglied war, kann abgesehen von Ausnahmefällen nicht in die AfD eintreten. Das hindert Siegmund jedoch nicht daran, mit mehreren ehemaligen Funktionären eng zusammenzuarbeiten - auch wenn er sagt, 'die Gräueltaten des Nationalsozialismus' gehörten für ihn 'zweifelsfrei zu den dunkelsten Kapiteln deutscher Geschichte'."
Weitere Artikel: In der FR überlegt der BSW-Vordenker und Soziologe Wolfgang Streeck, wie der AfD beizukommen sei. Eine richtige Antwort hat er nicht, er weiß aber, wer Schuld ist: der "schuldenfinanzierte Neoliberalismus".
Es wird gekokst wie verrückt, staunt Claudius Seidl in der SZ: "Die Grundversorgung deutscher Großstädte mit der harten Droge Kokain ist gesichert." Hier detektiert Seidl eine gewissen Schizophrenie, denn Menschen, die sonst auf einen ethischen Umgang mit Kleidung und Essen achten, blenden beim Koks völlig aus, woher die Substanz eigentlich kommt: Sie "nehmen es in Kauf, dass jeder Hunderter, den sie in ihren Spaß investieren, auf die Konten des organisierten Verbrechens geht. Es ist ihr Geld, für das in Mexiko die Menschen eingeschüchtert, gefoltert, ermordet werden; ihr Geld, mit dem Polizisten, Richter und Politiker gekauft werden; ihr Geld, von dem das Volk rein gar nichts hat, außer der Angst, zwischen die Fronten zu geraten oder von Querschlägern getroffen zu werden. Es ist, als habe das Kokain eine eigenartige Form des Kolonialismus etabliert: Die Leute im Norden haben das Vergnügen. Denen im Süden bleiben die Toten, die Zerrüttung ganzer Gesellschaften."
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