In der
Zeit empfiehlt Christian Staas wärmstens die von dem
Historiker Stephan Malinowski kuratierte Ausstellung "Umstrittene Verwandtschaft" im
DHM, die
koloniale und nationalsozialistische Gewalt untersucht - in einem für Staas mustergültigen Balanceakt. Denn was man im DHM erkennt, ist "keine lineare Geschichtserzählung, sondern ein
Beziehungsgeflecht voller loser Enden. Mal decken sich die historischen Muster, mal kontrastieren sie, und manchmal entziehen sie sich auch dem direkten Vergleich." So markiert die Ausstellung "zwar mit sachlichem Blick Differenzen, erzeugt aber nie den Eindruck, dass das eine Verbrechen 'weniger schlimm' sei als das andere, weil es sich strukturell unterscheidet oder in einem anderen Kontext begangen wurde... Die
unterschiedslose Anerkennung des Leids enthebt nicht der genauen Beschreibung seiner Ursachen. Hier,
aufseiten der Täter und der Situation ihres Handelns, liegen
Unterschiede, die benannt sein wollen, um zu verhindern, dass im Namen der Empathie mit den Opfern gleichgesetzt wird, was nicht gleichzusetzen ist. Die viel beschworene
Singularität des Holocausts steht im DHM außer Frage. Doch statt den Singularitätsbegriff moralisch aufzuladen, verleiht die Ausstellung ihm einen präzisen analytischen Gehalt und zieht damit Grenzen für einen sinnvollen Vergleich. Sie setzt den
Holocaust in Relation, ohne ihn zu relativieren. So ist der vorletzte Raum der Schau - zum Thema 'industrielle Vernichtung' - der einzige ohne koloniales Pendant."